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Wiedereröffnung Kirche Berschweiler

Es ist endlich so weit:
Nach über einjähriger Bauphase nehmen wir unsere Kirche in Berschweiler wieder offiziell in den Dienst. Endlich können wir hier wieder regelmäßig Gottesdienste feiern!

Wir laden alle herzlich ein,

am Sonntag, den 28. Juli 2024, um 10.30 Uhr,

beim ersten Gemeindegottesdienst dabei zu sein und die Berschweiler Kirche in neuem Glanz zu erleben. Gemeinsam möchten wir Gott loben und ihm danken, dass alles so schön geworden ist. Im Anschluss dieses Gottesdienst möchten wir mit Ihnen im neu entstandenen Gruppenraum im hinteren Kirchenschiff auf die gelungene Sanierung und die neuen Möglichkeiten anstoßen.

2024.06. Altarraum

Zum Nachdenken

Liebe Gemeindemitglieder,

„Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte, dieses ‚Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben‘.“
Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben. Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: ‚Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen.‘Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben, ‚Meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein.‘
Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile
gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser
Stunde selber gegeben hatte: ‚Niemals Gewalt‘.“

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Geschichte hat Astrid Lindgren erzählt. Sie war auch eine junge Mutter zu einer Zeit, als körperliche Züchtigung noch ein selbstverständliches Recht der Eltern war.

„Ich bin mehr Mutter als irgendetwas anderes“ hat sie einmal gesagt. Und Astrid Lindgren war fest überzeugt, dass der Weg in eine friedlichere Welt durch die Kinderzimmer führt. So hat sie es in ihrer Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1978 gesagt.
Sie fragte: „Wie war die Kindheit aller dieser wirklich verdorbenen Knaben, von denen es zurzeit so viele auf der Welt gibt, dieser Diktatoren, Tyrannen und Unterdrücker, dieser Menschenschinder? Ich bin überzeugt davon, dass wir bei den meisten von ihnen auf einen tyrannischen Erzieher stoßen
würden, der mit einer Rute hinter ihnen stand, ob sie nun aus Holz war oder im Demütigen, Kränken, Bloßstellen, Angstmachen bestand.“

Das ist 46 Jahre her. Und immer noch genauso aktuell. Politik wird gerade wieder vor allem von Männern gemacht, über deren Motive ich nur rätseln kann. Aber eines steht für mich fest: Ich will keine Steine werfen. Auch nicht auf Politiker, deren Handlungsweise ich nicht nachvollziehen kann.
Gewaltlosigkeit, Liebe und Geduld bleiben eine Herausforderung, für jede Generation neu.

Und ich weiß auch: Jesus geht noch viel weiter als Astrid Lindgren. Es geht ihm nicht „nur“ um Gewaltlosigkeit, sondern weit darüber hinaus – um
Feindesliebe.

Ich muss mir dringend etwas auf mein Küchenbord legen, damit ich das nicht vergesse.

Ihre Pfarrerin Claudia Konnert

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