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Zum Nachdenken

Liebe Leserin, lieber Leser,

der erste Monat des neuen Jahres neigt sich seinem Ende zu, als ich diese Andacht schreibe. Eine gute Gelegenheit, einmal vorsichtig nachzufragen, wie es um die möglicherweise zu Neujahr gefassten guten Vorsätze steht - worin auch immer sie bestanden.

Anfang des Jahres schreien mich alle Zeitschriften in allen Regalen an: „Mach dich neu. Nimm ein paar Kilo ab und mach endlich Sport.“ Bei einem großen Discounter gibt es statt Dominosteine jetzt die Zutaten für die leichte asiatische Küche und Sportkleidung. Ich denke mir: „Mit ein paar Kilo weniger bin ich wahrscheinlich gesünder. Aber neu?....“

Ich habe mich in diesem Jahr endgültig von der Vorstellung verabschiedet, dass ich es bin, die am 1. Januar 2022 etwas Neues anfangen müsste. Denn das Glück kennt die Zeit nicht und den Moment, an dem etwas neu wird.

Ich habe keine Ahnung, welcher Tag in diesem Jahr mein Neujahr sein wird. Ich muss erst noch die Dominosteine aufessen, von denen ich wieder mal viel zu viele gekauft habe und die irgendwie nicht so recht zur leichten asiatischen Küche passen wollen. Ich komme, glaube ich, langsam in das Neue hinein. Und irgendwann in diesem Jahr werde ich einen Tag im Kalender rot umranden und „Neujahr“ darüberschreiben, im Frühling, im Sommer, vielleicht auch erst im Herbst.

„Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?“ (Jesaja 43,19). Das lässt Gott seinen Menschen durch den Propheten Jesaja ausrichten.

Und ich verstehe es so: Das Neue lässt sich nicht in unsere Routinen zwängen, in die immer gleichen Abläufe des Jahres, der Woche, des Tages. So ist das Neue doch nicht. Es kommt von woanders her, wie das Glück. Ich kann nichts dafür tun, dass es zu mir kommt. Denn sonst wäre es ja kein Glück, sondern nur das Ergebnis irgendeiner Anstrengung, die ich unternehme.

Meine Aufgabe dabei ist, aufmerksam zu bleiben und sorgfältig darauf zu achten, wo es sich zeigt. Wie auf die Schneeglöckchen hinten in der Ecke des Gartens unter all dem alten braunen Laub.

Neujahr müsste so gesehen ein beweglicher Feiertag sein, ohne festes Datum.

Jede und jeder darf ihn feiern, wann er oder sie möchte – oder besser gesagt: wie es für sie oder ihn fällt - und sich einen Tag freinehmen dafür. Und bis es für mich soweit ist, habe ich bestimmt auch die Dominosteine aufgegessen.

Ihre Pfarrerin
Claudia Konnert

 

Café International

Im Ev. Jugendzentrum gibt es das Café International. Es ist Anlaufstelle für die Flüchtlinge, die in Baumholder untergebracht sind. Ein Team von Ehrenamtlichen gibt Sprachunterricht. Steht bei Fragen und Problemen zur Verfügung oder tauscht sich einfach aus. Die Öffnungszeiten sind Montag von 16 bis 18 Uhr. Schauen Sie doch einfach vorbei, trinken sie einen Kaffee mit. Jeder ist herzlich eingeladen. Es gibt viele interessante Gespräche. Auch ehrenamtliche MitarbeiterInnen sind natürlich willkommen.

Kontakt: Ev. Kirchengemeinde Westrich-Nahe, Tel. 06783/2148

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