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Einführungsgottesdienst 18. Juni 2023, 15 Uhr

Neuanfang


„... und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“


Neuanfang – so hieß es damals für mich, als ich vor nunmehr 49 Jahren anlässlich meines ersten Kindergartentages vor dem Pixie-Fotografen posierte, der alle Neuankömmlinge professionell blichtete. Der Kindergarten befindet sich übrigens in Kappeln an der Schlei, wo meine familiären Wurzeln liegen. Damals wusste ich noch nicht, dass und wie viele Neuanfänge diesem einen bedeutenden folgen sollten: Wir zogen später erst nach Köln, wo mein Vater eine neue Arbeitsstelle angenommen hatte, und von dort nach Siegburg. In Siegburg beendete ich 1990 die Schule und begann mein Studium in Bonn. Damals wollte ich Lehrerin werden. Es interessierten mich vor allem die Naturwissenschaften und die Mathematik. Dieses Interesse habe ich noch, doch wurden mir andere Bereiche und Fragen wichtiger: Die Frage nach dem Sinn, dem Woher und Wohin des Lebens, die Frage nach Gott. Mein Berufs- und Lebenswunsch hat sich im Laufe der ersten Studienjahre geändert.Das Studium der Theologie war ein Neuanfang, der mich nach Göttingen, Wuppertal und zuletzt wieder nach Bonn führte. Nahtlos schloss sich mein Vikariat und der Probedienst als Pfarrerin in Düsseldorf Gerresheim an. Mein Dienst in Gerresheim hat mich damals in meiner Entscheidung für das Gemeindepfarramt bestärkt. Die Gerresheimerinnen und Gerresheimer sind großherzige, unkomplizierte und glaubensheitere Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet, gestärkt und beraten haben. Ich habe ihnen viel zu verdanken. Besonders hat mich die frohe und ungezwungene Art, den Glauben und das Leben zu feiern, fasziniert. Neuanfänge habe ich in den folgenden Berufsjahren immer wieder gewagt. Jülich und zuletzt die zur mittelhessischen Stadt Lollar gehörenden Dörfer Odenhausen und Salzböden waren weitere Stationen auf meinem Weg. Ich habe mich mehrere Jahre ins Schulpfarramt gewagt und im vergangenen Jahr in die  ehörlosenseelsorge hinein geschnuppert. Ich empfand es als Sprung ins kalte Wasser, mit über 50 noch einmal eine komplett neue Sprache, die Deutsche Gebärdensprache, zu lernen und in die Kultur der Gehörlosengemeinschaft einzutauchen. Neuanfang – so heißt es jetzt für mich, wenn ich im Juni als Pfarrerin in Ihrer Gemeinde beginnen darf. Ich habe mich sehr bewusst auf Ihre 2. Pfarrstelle in der Region Baumholder beworben und freue mich deshalb besonders auf diesen Neuanfang und viele fruchtbare Begegnungen und Gespräche. Ich freue mich auf Sie, auf Ihre Lebensart, auf Ihre Anregungen, auf die Weise, wie Sie Ihren Glauben leben.


Zum Pfingstfest – wir sprechen auch vom Geburtstagsfest der Kirche - Ende Mai werde ich voraussichtlich schon meine Umzugskartons im Pfarrhaus in Baumholder auspacken. Jedes Stück erhält einen neuen Platz: Meine Krimis, die Ölfarben und die Leinwände, das Strickzeug, das Gartengerät, die Schlafkissen für meine beiden Hunde und die Katze. Manches wird zunächst vorläufig bleiben. Und nichts hält bekanntlich länger als ein Provisorium. Meines Erachtens hat die Kirche nicht einen Geburtstag, sondern immer wieder neue Aufbrüche, Erweckungen, Renaissancen und Revolutionen erlebt. Ecclesia est semper reformanda, was heißt: Die Kirche muss beständig reformiert werden – und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der sie beschützt und der ihr neu das Leben gibt. Ich freue mich, gemeinsam mit Ihnen und Euch daran teilzuhaben und dem Zauber nachzuspüren und der Kraft, die daraus erwächst, Raum zu geben.

Claudia Konnert

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